August 2003
Eine massive Sozialdemontage ist im Gang.
Sie richtet sich gegen die Frauen und bittet sie gleichzeitig zur Kasse!
Liebe Frauen
Liebe Freundinnen
Voraussichtlich wird in der zweiten Hälfte dieses Jahres die 11. AHV-Revision
von den eidgenössischen Räten verabschiedet werden. Was wir jetzt
schon wissen: Diese Revision fällt gravierend zu Ungunsten der Frauen aus.
Unter dem Deckmantel der Gleichstellung werden Einsparungen vor allem auf Kosten
der Frauen realisiert: Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre, Kürzungen
bei den Witwenrenten. Keine Rede davon, dass die Frauen nach wie vor die Hauptverantwortlichen
für die alltägliche unbezahlte Haus- und Betreuungsarbeit sind und
dadurch gesamtgesellschaftlich eine immense Leistung erbringen.
Damit aber nicht genug - Ziel der neoliberalen Politik ist es, für alle
das Rentenalter weiter über 65 Jahre hoch zu schrauben. Zudem soll die
gesetzlich garantierte Anpassung der Renten an Teuerung und Lohnentwicklung
verschlechtert werden (Abschaffen des Mischindex). De facto heisst das: Für
weniger Rente länger arbeiten!
Zur Diskussion steht auch die 1. Revision der Zweiten Säule (Berufliche
Vorsorge, BVG). Die Krise dieser Versicherung ist in den letzten Wochen und
Monaten mehr als offenkundig geworden. Auch hier sollen die Frauen zur Kasse
gebeten werden. Mit der Senkung des Koordinationsabzuges sollen neue Geldquellen
für die Versicherungsgesellschaften erschlossen werden. Dies auf Kosten
der kleinen Einkommen. Davon sind insbesondere die Frauen betroffen. Darüber
hinaus werden zwecks Sanierung der Versicherungen bereits die ersten Rentenkürzungen
angekündigt - bei den Frauen höher als bei den Männern!
Die Arbeitsgruppe AHV - Sozialversicherungen der FemCo arbeitet seit drei Jahren
kontinuierlich zum Thema Altersvorsorge der Frauen. In der Broschüre Zukunft
der AHV - Perspektiven aus feministischer Sicht (März 2001) hat sie
eine profilierte Stellungnahme zur 11. AHV-Revision erarbeitet, die auf grosses
Echo gestossen ist. Vor einem Jahr hat sie mit einem Flugblatt zur Rentenklau-Demo
(31. August 2002) ihre Position zur zweiten Säule begründet mit der
Schlussfolgerung, dass die BVG-Revision nichts Wesentliches zur Verbesserung
der Rentensituation der Frauen im Alter beiträgt.
Gegen die angelaufene Sozialdemontage wird jetzt und heute verstärktes
Engagement und lauter Widerstand von unserer Seite notwendig. Wir Frauen
sind wütend ist der Titel des beiliegenden Manifests und ruft die
Frauen zur Mobilisierung auf. Die FemCo fordert eine existenzsichernde Altersrente
für alle Frauen! Die Frauen haben ein Recht auf eine würdige Altersvorsorge
und auf Teilhabe am Wohlstand einer reichen Gesellschaft, zu dem sie ganz wesentlich
beitragen. Dafür will sich die FemCo in der kommenden Zeit stark machen
und mit anderen gleichgesinnten Gruppen die absehbaren Auswirkungen der neoliberalen
Politik vehement bekämpfen. Die FemCo ruft die Frauen auf, sich an den
geplanten Aktionen (im September) zu beteiligen, den Workshop der FemCo am Sozialforum
zu nutzen und das Dossier Fakten und Hintergrundinformationen zum Thema zu bestellen
(alle Einzelheiten siehe Flyer in der Beilage).
Um in diesem sozialpolitischen Kampf die feministische Stimme laut und stark
zu erheben, ist die FemCo auf zusätzliche finanzielle Mittel angewiesen.
Sie braucht euer Engagement und eure finanzielle Unterstützung in dieser
Auseinandersetzung. Jeder Beitrag ist willkommen und unterstützt uns in
der widerständischen Aktion. Vielen herzlichen Dank für die Unterstützung!
Mit freundlichen Grüssen
für die FemCo
Bianca Miglioretto, Therese Wüthrich, Laura Zimmermann